Kommunikative Zweisamkeit

Erneut gibt es interessante Neuigkeiten aus dem Reich der Telefone zu vermelden. Diese Geschichte wurde uns vom Tele-Ehepaar Heinzelmann zugetragen.
Es lebte einst ein solides Nostalgietelefon mit wohlgeformtem Körper und ordentlich geringelter Kabelschnur in Italien am Lago Maggiore. Enzo Phono war sein Name und er führte ein geregeltes Leben als zuverlässiger Sprechapparat bei einem alteingesessenen italienischen Pizzaschriftsteller. Hierzulande ein eher unbekannter Beruf. Doch vor unzähligen Jahren war diese Tätigkeit hoch angesehen und in Italien nur wenigen, äußerst kreativ-intellektuell-kulinarisch begabten Menschen vorbehalten. Pizzaschriftsteller waren meist etwas eigensinnige Menschen, die in einer kleinen Stube in einem malerischen Weinhang am See ihre Tage damit zubrachten, Geschichten über das Nationalgericht Pizza zu schreiben. Von Märchen über Gedichte bis hin zu Rezepten und musikalischen Kompositionen, kurzum alles wurde notiert und per Schreibmaschine in einem handlichen Büchlein festgehalten.
Bei solch einem Pizzaschreiber hauste nun unser werter Herr Phono und genoss ein wunderbares Plätzchen auf einem hölzernen Schreibtisch mit Blick aufs gegenüberliegende Seeufer.
Tagaus tagein ließ er sich klingeln und den Hörer abnehmen. Auch ließ er sich artig in seine Ohrmuscheln sprechen, wenn der Pizzaschreiber tiefgründige Gespräche mit seinen Kollegen oder dem Weinhändler führte. Und solch ein gut gebautes Telefon führt, wenn alle Einzelteile ordentlich verschraubt sind, meist ein sehr langes und kommunikatives Leben. Hingegen starb das Metier des Pizzaschreibers im Laufe der Jahrhunderte fast gänzlich aus und so biss auch irgendwann Herr Phonos Besitzer ins Gras. Oder um in dessen Sprache zu sprechen, in eine „Pizza Jordan“.
Nun stand der in die Jahre gekommene Enzo Phono auf dem Schreibtisch, die Tage gingen ins Land und kein Mensch ließ Enzo klingeln. Darüber wurde er schwermütig und vergrub sich in einer fünfteiligen Gedichtquatrilogie seines Pizzaschreibers.
Währenddessen ereignete sich andernorts ein anderes Schicksal.
In der hektischen Großstadt Berlin lebte das iPhone Isolde. Sie fristete ein chaotisches Dasein in der Handtasche einer jungen Studentin. Permanent wurde sie betoucht, achtlos liegen gelassen, zwischen Jurabücher in eine Armani-Ledertasche gedrückt, so dass ihr beinahe der Bluetooth-Atem abhanden kam. Es war, unschwer zu erkennen, ein Lebensmodell welches komplett diametral zu dem des Herrn Phono verlief. Doch in einem Punkt glichen sich ihre Schicksalslinien. Auch die ausgenutzte Isolde lag eines Tages alleine auf einer Parkbank und wurde nie wieder abgeholt. Ihre Besitzerin war der Hektik des Alltags anheim gefallen und hatte sich längst eine kommunikativere Nachfolgerin zugelegt, während die gute Isolde nun ausgedient hatte. Die Tage gingen ins Land, Herbstblätter fielen auf ihren Touchscreen, Schneeflocken tänzelten leise vom Himmel und schneiten das Handy ein. Isoldes Apps begannen zu frieren und kränkelten vor sich hin.
Zwei unterschiedliche Telefonschicksale an zwei verschiedenen Orten. Wer weiß, wie lange die Zwei an ihren Plätzen ausgeharrt hätten, wenn nicht an einem kühlen Tage im Februar der Berliner Müllmann Benno die niesende Isolde unter einer Frostdecke entdeckt und sie mit nach Hause genommen hätte. Dort säuberte er ihr Gehäuse, pflegte sie sorgfältig mit Reinigungsmitteln und bettete sie behutsam in seine Reisetasche. Kurze Zeit später nahm er besagte Tasche unter den Arm und begab sich zu seinem Fahrrad. Mit diesem Drahtesel radelte Benno nach Italien, wo einmal im Jahr eine große Antiquitätenauktion am Lago Maggiore stattfand. Als Liebhaber nostalgischer Utensilien und leidenschaftlicher Tüftler ließ sich der Berliner dieses Ereignis nie entgehen und besuchte die Auktion seit nunmehr 37 Jahren. Und wie so häufig hatte auch hier das Schicksal die Hand im Spiel und ließ es tatsächlich geschehen, dass unser rüstiger Enzo Phono inmitten all des Trödels auf dieser Auktion seinen Platz gefunden hatte, wo ihn der Tüftler Benno mit Kennerblick sogleich entdeckte. Für einen Bastler wie ihn war es Liebe auf den ersten Blick. Er ersteigerte Herrn Phono für stattliche 11 Euro, verstaute ihn sicher neben der schlummernden Isolde in der Reisetasche und strampelte auf seinem Rade Richtung Heimat. Während dieser Rückfahrt hatten Isolde und Enzo, die so plötzlich auf engstem Raume zusammengepfercht waren, nun die Gelegenheit, völlig unerwartet ihre kommunikativen Fähigkeiten wieder zu nutzen. Es entfachte sich in der dunklen Reisetasche im Laufe der Zeit ein amüsantes Kennenlerngespräch. Beide Telefone waren scheinbar so glücklich darüber, endlich wieder kommunizieren zu können, dass sie ohne größere Probleme ins Gespräch kamen und munter drauf los plauderten. Benno registrierte all dies nicht und konzentrierte sich auf die unmöglichen Raser auf der Autobahn, die ihn permanent rechts überholen wollten.
In Berlin angekommen, begab sich unser Müllmann sogleich in seinen Hobbykeller, um den Kauf genau unter die Lupe zu nehmen. Strahlend betrachtete er den eleganten Enzo, nahm die in seinen Augen etwas steril wirkende Isolde zur Hand und begann zu überlegen. Die Rädchen in seinem Tüftlerhirn ratterten. Was ließe sich aus diesen zwei Objekten herstellen? Alt und neu miteinander verbinden erschien ihm eine gute Idee. So wirkte Isolde nicht mehr aalglatt und flach und der gute Enzo hatte Anschluss an die Neuzeit.
Also tüftelte der emsige Benno sieben Tage und sieben Nächte, bis sein Doppel-Phone oder Phono-Dopplo fertig war. Er hatte Isolde und Enzo so miteinander verknüpft, dass beide voll funktionsfähig und für seine Zwecke nutzbar waren. Das iPhone fand einen gemütlichen Liegeplatz auf dem Bauch des Herrn Phono und beide zusammen wurden auf einer kleinen Kommode in Bennos Wohnzimmer platziert. Dort waren sie umgeben von Bücherregalen, einem Gummibaum, einem Sofa und einem herrlichen Blick auf einen kleinen Balkon. Und wenn der fleißige Benno rasch im Internet etwas zu erledigen hatte, leistete ihm Isolde hilfreiche Dienste. Rief hingegen seine Mutter am Wochenende an und unterhielt sich mit ihm über Pferdewetten und Hefezöpfe, so nahm er den handlichen Hörer unseres Herrn Phono zur Hand, klemmte ihn zwischen Kopf und Schulter, legte sich entspannt auf seinem Sofa nieder, sah aus dem Fenster und ließ seine Mutter reden.
Und wenn der gute Benno des Tags seiner Arbeit nachging, unterhielten sich derweil Isolde und Enzo. Er wusste von den Anfängen der Telefonzeit zu berichten, sie konnte ihren Redefluss über die vielseitigen Handys von heute kaum stoppen.
Und da in dieser Geschichte das Schicksal bereits so häufig eine Rolle gespielt hatte, formte es auch den Schluss dieser kommunikativen Begegnung. Denn, wie es so oft kommt, wenn man sich näher kennenlernt, viele Geminsamkeiten entdeckt, Gesprächsthemen findet und wohl oder übel auch noch eng miteinander verbunden ist, passiert es, dass man sich verliebt. Enzo und Isolde gestanden sich ein, dass es beiderseits Liebe auf den ersten Hör war, als sie sich in der Reisetasche begegnet waren. Und so harmonisch wie die beiden nun Dank Benno vereint waren, ist unschwer zu erraten, dass sie auch heute noch ein glückliches Telefonpaar sind. Lange liegt diese Begebenheit mittlerweile jetzt zurück und was aus dem Müllmann Benno geworden ist weiß niemand. Vermutlich hat auch er von der „Pizza Jordan“ einen kräftigen Bissen genommen und Enzo und Isolde warten, bis das Schicksal erneut in ihr Leben eingreift und sie einer neuen Bestimmung zuführt. Wer wird wohl ihr kommender Besitzer werden? 🙂

digitale Zweisamkeit
Enzo und Isolde in kommunikativer Harmonie vereint

 

©mauswohn

Kein Anschluss unter diesem Schaf

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen, seit unser Tele-Ehepaar Heinzelmann mit den außergewöhnlichen Headsets für reichlich Aufsehen gesorgt hat. Unermüdlich tingelten die zwei Kommunikationspartner durch die Lande und warben für das neue Telefoniergefühl. Und nun kam es, dass sich deren Werbebotschaft bis auf unsere Almwiesen zu den Tieren herumgesprochen hat.
So weit so gut. Nichts dagegen zu sagen. Doch eine besonders gesprächseifrige Schafsherde orderte sogleich eine Wagenladung der flexiblen Telefone und arretierte sie auf den Schafsköpfen. Und dann hatten wir den Salat. Statt eines gemütlichen Blökens hörten wir ein permanentes Klingeln auf den Wiesen. Die Schafe, inbesondere die Heidschnucken hatten einen Heidenspaß, sich gegenseitig anzurufen und die neuesten Schafswitze zu erzählen.
Aber gut, wir wollen schließlich glückliche Tiere auf der Weide sehen und so ließen wir ihnen diese Freude.
Doch bald standen wir einem weiteren Problem gegenüber. Leider kommen auch wir nicht umhin, das ein oder andere Schäfchen auf die Schlachtbank zu führen. Der ortsansässige Metzger kam also mit seinem Schlachtbus angefahren, lud einige Tiere ein, die noch verzweifelt versuchten den Notruf zu erreichen, und fuhr in die Schlachterei. Ein kurzer Aufschrei, ein letzter Klingelton und das Schaf war in handliche Grillsteakportionen zurechtgestutzt. Aber nun folgt das eigentliche Drama. Der Metzger war von den telefonsüchtigen Schafen wohl so angetan und abgelenkt, dass er nur halbherzig seine Arbeit verrichtete. Und so kam es, dass in der Hackfleischmasse Reste von Telefonkabeln landeten, die Schafsschnitzel versehen sind mit Überresten von Telefonwählscheiben und das ein oder andere schmackhafte Rippchen einen halben Hörer beinhaltet. Es soll sogar vorgekommen sein, dass hin und wieder ein Kunde einen seltsamen Klingelton in der Bratpfanne wahrnahm.
Wir rufen daher auf: Seien Sie wachsam beim Verzehr von Wurst und Fleisch. Es könnten Beimischungen von Telefonapparaten voranden sein. Auch wissen wir nicht, ob  Rufnummern versehentlich in einige Wollpullover eingewebt wurden. Und ob sich dies negativ oder sogar positiv auf den menschlichen Körper auswirkt, ist bisher nicht geklärt.
Erfahrungsberichte mit eventuellem Kommunikationsfleisch oder Telefontextilien nehmen wir daher gerne entgegen.
Wir danken für Ihre Mitarbeit! 🙂

Teleschafe
Telefonschafe auf der Alm

 

 

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Ostern – Suchen oder suchen lassen?

Nicht mehr lange und das Osterfest steht wieder vor der Tür. Da heißt es Eier einkaufen, verstecken, suchen … Oder lassen Sie etwa bereits suchen? Zu welcher Sorte Mensch gehören Sie? Sind Sie ein aktiver oder ein passiver Osterhase? Die Almreporter haben sich auf die vielbefahrenen Straßen gewagt und todesmutig einige Passanten vors Mikrofon gezerrt, um sie zu dieser brisanten Thematik zu befragen. Lesen Sie selbst:ostern

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Und welche Haltung haben Sie zu diesem viel diskutierten Thema an dem sich die Geister scheiden? Die hitzige Debatte ist eröffnet … 🙂

 

 

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Die (R)evolution der Sprachwürste

Sprachwürste. In aller Munde, doch längst nicht mehr im wahrsten Sinne des Wortes. Die Revolution der sprechenden Fleischwaren hat begonnen.
Wie kam es dazu? Erneut machte der stets erfinderisch brilliante Herr Ösi auf die scheinbaren Unscheinbarkeiten des Alltags bei seinem Grillwürstchen-Dialog auf diese Thematik aufmerksam.
Sprachwürste sind mittlerweile keine Seltenheit mehr, finden in der Gesellschaft lediglich zu wenig Beachtung. Anfänglich stumm brutzelnd auf dem Grill gelegen, lauschte die in Darm gepresste Fleischmasse den Gesprächen der geselligen Grillrunde, bevor sie jämmerlich von einem scharfkantigen Grillspieß erstochen und in einen gierigen Schlund verfrachtet wurde.
Allmählich entwickelten sich die schmalen Lieblinge aller Haushalte weiter, sie fingen an, einem Papageien gleich, die menschlichen Laute zu imitieren. Den fröhlichen Partygrillern fielen diese Sprechversuche nie auf, da sie meist betrunken über ihren Bierkrügen hingen und stupide auf die nächste Ladung Gegrilltes warteten.
So fand eine immer stärker werdende Kommunikation unter den Würsten statt, bis sie sich schließlich oftmals besser zu artikulieren wussten, als ihr promillegefüllter Konsument.
Seit all dies bekannt ist, erklärt sich auch die gestiegene Besucherzahl in psychiatrischen Behandlungszentren. Dass sämtliche Patienten von sprechenden Würstchen faselten, galt zunächst als das sogenannte Fress-Out-Syndrom. Doch da nun die Existenz der Sprachwürstchen bekannt ist, zeigt sich die Grillgemeinde über diese Aufklärung erleichtert.
Nun fragt man sich natürlich, wie es weitergehen soll. Traut sich der eingefleischte Dauergriller zu, sprechende Würstchen zu essen? Oder wird die Evolution sogar weiterschreiten und die Sprachwürste früher oder später auch das Laufen lehren? Werden die gefüllten Därme in Zukunft selbst zum Bratspieß greifen und auf ihren größten Widersacher, den Menschen, einstechen? Die Expertenrunden formieren sich und sind in höchstem Maße beunruhigt. Jedoch wird zu Besonnenheit aufgerufen. Die Kanzlerin und ihr Kabinett werden zeitnah eine Entscheidung fällen und diese aus ihrem Sommerurlaub live in Angies Grillrunde mitteilen.
Bis dahin, weiter kuhte Unterhaltung mit Ihren Würschteln und einen gesunden Appetit! … Aber aufgepasst, wer frisst wen? 🙂

 

 

Sollten Ihnen weitere sprechende oder singende Lebensmittel auffallen, melden Sie sich bitte bei unserer Notruf-Heißlinie. Wir werden den Hinweisen sofort nachgehen.
Vielen Dank!

 

 

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Kuhnversation mit der Zeigermaus

Erinnern Sie sich noch an die Zeigermaus? Mit Sicherheit. Schließlich hat fast ein jeder täglich mit ihr zu tun. Doch gerade dieses permanente Aufeinandertreffen lässt das emsige Helferlein ein wenig in der Unscheinbarkeit entschwinden. Bisher ist die Lebensweise der Zeigermäuse auch noch weitestgehend unerforscht und so ist es uns eine ganz besondere Ehre, eine Kuhnversation mit der scheuen Zeigermaus der Bloghüttenalm führen und sie etwas näher kennenzulernen zu dürfen.

Viel Vergnügen! 🙂

 

Ist auch Ihre Zeigermaus ein eher zurückhaltendes Tierchen oder hüpft es extrovertiert über Ihren Schreibtisch? Die Zeigermauswissenschaftler aus aller Welt sind sehr an Erfahrungsberichten im Umgang mit dem virtuellen Nager interessiert, um die Forschungen auf diesem Gebiet weiter vorantreiben zu können. Viele Fragen sind noch ungeklärt. So ist beispielsweise bisher völlig unbekannt, welche Nahrung die spitzmäusigen Zeiger zu sich nehmen. Haben sie eine bestimmte Energiequelle? Man munkelt bereits, es könnte sich um den virtuellen Käse von Herrn Ösi handeln. Aber sicher ist auch das nicht. Ebenso unklar bleibt, ob sprachliche Unterschiede in den Zeigermausrudeln herrschen. Eine gewisse Dialektfärbung ist laut Interview nicht von der Hand zu weisen. Eine weitere brisante Frage treibt die Forscher ebenfalls seit Jahren um. Gibt es vielleicht auch eine Zeigerkatze? Oder führt die Zeigermaus  unangefochten ihr Regiment auf dem Schreibtisch Ihres Computers? Droht dem virtuellen Helfer der Garaus gemacht zu werden, wenn die Touchscreens die Oberhand gewinnen und Sie mit Ihren Speckfingern die Maus elendiglich zerdrücken werden? Sind die Wischer und Toucher auf dem Vormarsch? Hat es sich bald ausgeklickt?

Sie sehen, es sind kaum Erkenntnisse über unseren fleißigen virtuellen Gesellen vorhanden. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen zu diesem Thema beisteuern könnten. Die Wissenschaft wird es Ihnen danken … oder auch nicht 🙂

 

©mauswohn