Der Schweine-Slow-Flighter

Vor einiger Zeit haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier Bekanntschaft mit unseren Eulen-Speed-Flightern machen dürfen. Ein rasant animalisches Transportunternehmen der Extraklasse, das von allen Seiten mit großer Begeisterung beklatscht wurde.
Alle Tiere auf der Alm genießen seither das zügige Fortbewegungsmittel und nutzen die Eulen-Flüge regelmäßig.
Doch halt. Wirklich alle Tiere? Nein. Unser umbrisch-mexikanisches Grassteppenschwein Alfredo Ringelo hat dies alles wenig gekümmert. Mit der ihm angeborenen stoisch-mexikanischen Schweineruhe betrachtete er aus dem Augenwinkel stets die vorbei düsenden Eulen-Speed-Flighter und noch ehe er sich`s versah, waren sie auch schon wieder weg. Welch eine Hektik. Das war nichts für unseren Alfredo. Und so kräuselte er sein Ringelschwänzchen, legte sich gemächlich in eine Drecklache und dachte nach. Und wie man weiß, wenn Schweine philosophieren, kommt immer etwas saugutes dabei heraus.
Und so dauerte es nicht lange, bis Alfredo Ringelo eine prachtvolle Idee vorzuweisen hatte, die zwar nicht auf seinem Mist, aber eben in besagter Drecklache gewachsen war.
Er wollte für alle Almbesucher- und Bewohner, die diesem schnellen Treiben nichts abgewinnen konnten, ein Pendant bieten. Und so erfand er kurzerhand bzw. kurzerklaue den „Schweine-Slow-Flighter“. Eine grandiose Alternative für alle, die gerne gemütlich in luftigen Höhen von A nach B schweben möchten, ohne Gefahr zu laufen bzw. zu fliegen, in Lichtgeschwindigkeit gegen den nächsten Baum zu knallen. Und hierfür bietet unser werter Alfredo höchstselbst seine Dienste an. Möchte beispielsweise ein Almbesucher an einem sonnigen Tage ein Hochplateau in den Bergen besuchen, so hatte er bisher zwei Möglichkeiten. Entweder er wanderte mit seinen durchtrainierten Haxen die steilen Berghänge hinauf oder aber er benutzte den Eulen-Speed-Flighter, um rasch nach oben zu gelangen. Und nun steht mit dem Schweine-Slow-Flighter eine weitere Variante am Start. In diesem Falle frisst Alfredo eine Stunde vor Abflug eine Ladung Gänseblümchen. Diese zersetzen sich in seinem robusten Schweinemagen zu einer heliumartigen biologisch abbaubaren Substanz, welche umgehend für Auftrieb sorgt und nach einer gewissen Zeit beginnt unser Schwein langsam den Boden unter den Klauen zu verlieren.
Schwebt Alfredo Ringelo bereits einige Zentimeter über dem Boden, werden die Gäste Huckepack genommen und der Flug kann beginnen. In aller Ruhe steigt man mit dem umbrisch-mexikanischen Schweinezeppelin in die Höhe und erhält bei Bedarf ortskundige Auskünfte über Land und Leute. Selbstverständlich in mehreren Sprachen. Ein wunderbar entspanntes Transportvergnügen, das auch die überfrachteten Eulen ein wenig entlastet.
Lediglich beim Gänseblümchenverzehr muss Alfredo noch die geeignete Dosis für die jeweilige Flugstrecke besser austarieren lernen, da er bei seinem letzten Transport aufgrund zu geringer Nahrungszufuhr rasch an Höhe verlor und mit einem übergewichtigen Touristenehepaar aus Amerika aus zwei Metern Höhe mitten in die Brombeerbüsche sauste. Aber glücklicherweise waren alle gut mit Speckröllchen gepolstert und so blieb der Schaden gering. Die Amis fanden es sogar „amazing“ und beschlossen im nächsten Jahr mit der dickleibigen Verwandtschaft wieder zu kommen. Und wenn diese nicht komplett auf dem Rücken Alfredos Platz findet, hat er bestimmt noch ein paar Gänseblümchen für sie übrig. Wir wissen ja jetzt, dass Fett oben fliegt. 🙂

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Alfredo Ringelo auf Übungsflug
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Beim ersten Übungsflug gab es noch einige Probleme, das Gleichgewicht zu halten
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Nach dem fünften Übungsflug schwebt Alfredo sicher über den Fabrikhallen der Familie Lamprecht-Zollinger, wo der Leopardingerwein erfolgreich gepantscht äh produziert wird.

 

 

©mauswohn
  Bildquelle: Internet

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Sie lieben Schweine? Dann haben wir was für Sie …

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Gorillettis mit Tomatensoße

Heute begeben wir uns auf eine Reise durch die Milchstraße. Doch halt, bevor Sie sogleich Assoziationen zu fernen Galaxien und dem unergründlichen Kosmos spinnen, müssen wir Sie auf eine andere Fährte locken. Besagte Milchstraße befindet sich nämlich hier bei uns auf der guten alten Mutter Erde. Genau genommen zieht sie sich exakt 7,8 Kilometer zwischen unserer Alm und dem nächstgelegenen Dorf in die Länge. Eine gewöhnliche Verbindungsstraße könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Nicht weniger fantastisch als auf ihrer kosmischen Schwester gehen hier höchst seltsame Dinge vor sich. Nun, wir Almbewohner haben uns mittlerweile an die permanent wechselnden ungewöhnlichen Geschehnisse dort gewöhnt, doch so manch ein Besucher staunt nicht schlecht, wenn er unsere Milchstraße passiert.
So war kürzlich Alfred Himpflinger, ein bayrischer Rechtsanwalt a.D. bei uns zu Gast. Er verweilte im Gasthof der Familie Lamprecht-Zollinger und wollte in aller Ruhe das Landleben genießen. Neben angenehmen Waldspaziergängen und der Verköstigung des weltbekannten Leopardinger-Weines mietete er sich an einem Mittwoch beim ortsansässigen Krawattenverkäufer Würgler ein Fahrrad und beschloss, die Milchstraße entlang ins nächste Dorf zu radeln. Die Sonne schien, die Vögel tirillierten und der unternehmungslustige Herr Himpflinger trat in die Pedalen. Seine strammen Waden brachten ihn rasch voran. Und schon bald merkte er, dass sich der Bodenbelag unter seinen Rädern änderte. Er war auf die Milchstraße eingebogen, die, entgegen der üblichen Teerstraßen, in eierschalfarbenem Weiß gestrichen war. Ein ungewöhnlicher aber angenehmer Anblick, wie der Rechtsanwalt fand. Vergnügt radelte er weiter, pfiff den Radetzkymarsch und freute sich ob der schmalen Birken am Wegesrand, den hohen wehenden Schilfrohren und urigen Holzzäunen, die ein abwechslungsreiches Ambiente boten. Die Zeit schien still zu stehen und Herr Himpflinger strampelte unverdrossen.
Doch irgendwann beschlich ihn das Gefühl, dass die 7,8 Kilometer schon lange vorbei sein müssten. Er musste bereits mehr als fünf Stunden unterwegs gewesen sein und konnte noch immer keine Dorfsilhouette am Horizont erkennen.
Nachdenklich trat der Rechtsanwalt in die Bremsen und hielt an einem niedergetrampelten Pfad. Erschöpft wischte er sich mit einem mit Edelweiß bestickten Taschentuch die Stirn und besah sich die Umgebung. Nichts rührte sich. Keine Vögel waren zu hören. Eine beklemmende Stille lag in der Luft. Analytisch durchdachte Herr Himpflinger seine Lage und beschloss, zu Fuß weiterzuschreiten und den Trampelpfad zu erkunden. Nach circa 500 Metern durch dicht bewachsenes Gehölz waren unerwartet dumpfe Klänge zu vernehmen. Neugierig schritt der Rechtsanwalt voran, bis er plötzlich am Rande einer großen Lichtung stand. Ein Kreis, er mochte wohl 50 Meter Durchmesser betragen, bildete die Grundfläche und war gesäumt von hohen, leicht im Wind säuselnden Pappeln. Und auf dieser Lichtung, die Herrn Himpflinger stark an einen Ort für mythische Ritualmorde erinnerte, befanden sich braunfellige Gorillas, die weiße Schürzen und Kochmützen trugen, während sie in gleichmäßigem Rhythmus mit der linken Faust auf ihre Brust klopften und somit für die unheimlichen Klänge sorgten.
„Welch ungewöhnlicher Anblick“, entfuhr es dem Rechtsanwalt, der fasziniert die Tiere betrachtete. Plötzlich wurde er an der rechten Schulter gepackt und drehte sich erschrocken um.
„Hi, ich bin Mary“, quiekte eine hohe Stimme und der Rechtsanwalt erblickte eine blond gelockte junge Dame, die immerfort strahlte und ihm überschwänglich die Hand entgegenstreckte. „Hi!“, sagte sie erneut und zog unseren verdutzen Herrn Himpflinger quer über die Lichtung, vorbei an den Gorillas, hin zu einem gemütlichen Restaurant. Richtig. Ein kleines aber feines Restaurant inmitten dieser ungewöhnlichen Szenerie. Rustikale Holzbänke und Tische standen vor blinkenden Neonröhren, eine Plastikpalme und eine Schubkarre gefüllt mit Ananasfrüchten sollten für exotisches Flair sorgen.
„Spencers Spaghetti-Place“ war auf einer von Lichterketten umsäumten Girlande zu lesen. Verblüfft stand Herr Himpflinger da, bis er von der vergnügten Mary einen Platz zugewiesen bekam. Sprachlos setzte er sich nieder. Im Hintergrund ertönten ununterbrochen die mächtigen Klänge der Gorillas, während Stan Getz entspannte Töne durch ein kleines Radio an der Bar klingen ließ. Kaum hörbar hatte sich ein großer Flamingo angeschlichen und stand unvermutet vor dem Rechtsanwalt. Ein weißes Serviertuch hing über seinem linken Flügel, eine schwarze Fliege zierte nebst akkurat sitzenden Gamaschen den ungewöhnlichen Kellner.
„Willkommen in Spencers Spaghetti-Place“ gurrte der Flamingo mit sonoriger Stimme, beugte sich langsam nach vorne, sah Herrn Himpflinger in die geröteten Augen und fuhr fort: „Gorillettis mit Tomatensoße gefällig?“. Hierbei zwinkerte der Flamingo mit einem Auge und legte ein leichtes Lächeln auf.
„Äh …“, zögerte Herr Himpflinger.
„Bemühen Sie sich nicht mit anderweitigen Wünschen. Wir haben NUR Gorillettis auf der Karte“, hüstelte der Kellner mit kicherndem Unterton. „Wissen Sie“, fügte er redselig an, „hab vor Jahren hier nen Spaghetti-Tempel aus dem Boden gestampft. Lief nicht gut. Naja, bin fast Pleite gegangen. Kein Wunder. An der Milchstraße gibt es genau 113 Spaghetti-Bistros. Da ist Konkurrenzkampf vorprogrammiert. Hab mir dann ne Nische gesucht und mich auf Gorillettis spezialisiert.“
Sich den Schnäuzer zwirbelnd hörte Herr Himpflinger aufmerksam zu, der doch eigentlich nur von der Alm eine entspannte Radfahrt ins nächste Dorf unternehmen wollte. Und nun saß er einem sprechenden Flamingo gegenüber, der ihm sogenannte Gorillettis andrehen wollte. Achselzuckend lächelte er den komischen Vogel an und meinte: „Bevor ich noch vom Fleisch falle, nehm ich eben die Gorillettis mit Tomatensoße.“
„Sehr wohl der Herr. Bitte folgen Sie mir“ sprach der Kellner, kehrte dem Rechtsanwalt seinen pinkfarbenen Bürzel zu und stakste durch das Unterholz zur Lichtung.
Sich über nichts mehr wundernd, stolperte Herr Himpflinger hintendrein und ließ sich alsbald einen großen weißen Keramikteller in die Hände drücken.
„Moment noch“, quäkte der Flamingo und schnalzte mit der Zunge. Hierauf kamen zwei der Gorillas mit einem mit Wasser gefüllten Kupferkessel angetapst und arretierten ihn über einem Lagerfeuer. Kurze Zeit später kippte der Flamingo fünf Kisten Spaghetti in das brodelnde Wasser und ließ die Gorillas unter strenger Aufsicht umrühren. Anschließend wurde das Nudelwasser abgegossen und um den Teller unseres hungrigen Rechtsanwaltes gebeten. Und während der eine Gorilla das Geschirr in seinen Pranken hielt, schöpfte der andere mindestens zwei Kilo dampfender Spaghetti auf den Teller. Vorsichtig trugen sie nun beide die heiße Speise in die Mitte der Lichtung. Hier wurde sie auf den Boden gestellt und die Gorillas entfernten sich je sieben Schritte in verschiedene Richtungen. Nun ging alles ganz schnell. In Windeseile rannten die zwei mächtigen Tiere auf den Spaghettiteller zu und der Gorilla, der einen Schritt zu spät kam, wurde vom anderen am Genick gepackt und kopfüber in die frischen Nudeln gedrückt.
Herr Himpflinger, dem bereits das Wasser im Munde zusammengelaufen war, traute seinen Augen nicht. Was hatte man nur aus seiner Mahlzeit gemacht. Doch die Gorillas waren routinierte Kochkünstler. Sogleich hatte das eine Tier sein Gesicht von einigen hängen gebliebenen Nudeln befreit, während das andere stolz auf den Teller hinabblickte, den Daumen in die Höhe reckte, Messer und Gabel aus seiner Schürze hervorzauberte und das Nudelgericht auf einem Holzstamm servierte. Herr Himpflinger kam zögernd näher und wollte nun doch endlich wissen, was die Zwei hier im wahrsten Sinne des Wortes angerichtet hatten. Er erblickte zunächst einen Teller mit Nudeln. Bei genauerer Betrachtung jedoch sah er ein exaktes Abbild der Affenvisage, die in die Spaghettis gedrückt worden war. Reliefartig war das Gesicht herausgearbeitet und sah wahrlich meisterhaft aus.
„Die Gorillettis wären fertig, mein Herr“, sprach der Flamingo zufrieden und kippte über die rechte Schulter des Rechtsanwaltes einen großen Schwall Tomatensoße, die nun sukzessive von dem Spaghettigesicht, dem Gorilletti, aufgesogen wurde. Beinahe blutrünstig wirkte jetzt der Anblick, doch es duftete verführerisch.
Darf ich?“ fragte Herr Himpflinger und der Kellner meinte sogleich: „Wir bitten darum. Frisch sind sie am besten. Wohl bekomms.“
Und während der Rechtsanwalt zur Gabel griff, entfernten sich die Köche höflich und ließen den Gast in Ruhe speisen. Zwischendurch brachte der Flamingo noch eine Karaffe mit Wasser vorbei und der mampfende Herr Himpflinger gab ihm durch ein Nicken zu verstehen, dass er sehr zufrieden war.
Müde und satt legte er sich irgendwann ins warme Gras. So gut hatte er schon lange nicht mehr gegessen. Und ob dieser Glückseligkeit, schlief der gute Herr Himpflinger ein.
Am nächsten Morgen krähte unser Hahn auf der Alm. Die übrigen Tiere waren emsig bei der Arbeit und Herr Himpflinger wälzte sich müde in seinem Bett. Verschlafen rieb er sich die Augen und blinzelte in die Sonne. Er war im Gasthof in seinem Zimmer. Wie war er denn gestern Abend nach dem vorzüglichen Mahl noch nach Hause gekommen? Er konnte sich nicht mehr erinnern. Oder hatte er am Ende etwa alles nur geträumt? Kopfschüttelnd saß der alte Herr auf der Bettkante und wusste nicht, was er denken sollte. Er kratzte sich am Kinn und stolperte ins Bad. Dort besah er sich im Spiegel.
„Was ist gestern Abend geschehen, Alfred?“ fragte er nachdenklich sein Spiegelbild. Da sah er auf einmal etwas an seinem linken Ohrläppchen hängen. Er wischte mit der Hand darüber. Es war eine Nudel. Ein Stückchen Spaghetti hatte sich an seinem Ohr verfangen. Herr Himpflinger musste lachen.
Nun war er überzeugt davon, dass er sich all die Geschehnisse nicht eingebildet hatte und wirklich von den Gorillettis mit Tomatensoße gegessen hatte, die es nirgends außer an der Milchstraße in Spencers Spaghetti-Place zu erstehen gab. An der Milchstraße auf der Alm wohlgemerkt. Was sich in den unendlichen Weiten über uns so alles abspielt, überlassen wir den affigen Wissenschaftlern zu ergründen.
Wir jedenfalls denken, dass es nicht nötig ist in die Ferne zu schweifen, wenn das Gute is(s)t so nah 🙂

gorillettis mit tomatensoße
Gorillettis, noch ohne Tomatensoße. Der absolute Verkaufsschlager an der Milchstraße in Spencers Spaghetti-Place.

 

PS.: Wenn auch Sie Lust auf abenteuerliche Vorkommnisse an der Milchstraße haben, sind Sie bei unserem Ehepaar Lamprecht-Zollinger jederzeit herzlich willkommen. Eine Rückfahrkarte aus unserem irdischen Kosmos kann allerdings nicht garantiert werden 🙂

 

©mauswohn

Hefe-Heinz aus Gosslar

Nachdem Sie sich, werte Leserinnen und Leser,  vergangene Woche so tapfer durch einen äußerst kryptischen Blogbeitrag gequält und wunderbare Übersetzungen hierfür gefunden haben, erhalten Sie nun wie versprochen unsere Auflösung. Eine weitere Geschichte aus unserem Weinberg, die den Titel „Hefe-Heinz aus Gosslar“ trägt.

Seit geraumer Zeit wohnt unterhalb des Weinberges der Familie Lamprecht-Zollinger ein neues Mitglied der Gemeinde. Ein wenig scheu und zurückhaltend zu Beginn, zeigte sich der Neuankömmling nur selten auf einem abgelegenen Waldpfad oder beim ortsansässigen Gemüsehändler. Nicht ohne Grund, wie wir nach einiger Zeit erfuhren.
Bei dem Zugereisten handelte es sich um Heinz Petitfour aus Gosslar. Er war ein Mann von mächtiger Gestalt. Groß, stark und muskulös. Und was auf den ersten Blick auf uns Almbewohner so selbstsicher und beinahe angsteinflösend wirkte, hatte eine tragische Vorgeschichte.
Als Kind las der kleine Heinz gerne Comics. Ganz besonders hatten es ihm die Geschichten der Gallier Asterix und Obelix angetan. Und während er im Garten auf der Wiese lag und in deren Phantasiewelten entschwand, knabberte er nebenbei an einem Klumpen Hefe. Eine etwas ungewöhnliche Eigenschaft. Doch seine Eltern dachten sich nichts dabei und so merkte niemand, wie der Hefevorrat in den Gosslaer Supermärkten sank und der comicaffine Heinz an Körpervolumen zunahm. Unmerklich platzten die Nähte an seinen Hemden, die Hosenbeine wurden ihm zu eng. Die Mutter musste immer häufiger neue Kleidung für den Jungen kaufen.
Nun machte man sich doch ein wenig Sorgen und besah das Kind etwas genauer. Und oh Schreck, mittlerweile mussten die Eltern zu ihrem 6-jährigen Jungen hinaufblicken, so rasant war er gewachsen. Doch er war nicht nur gewachsen, er war regelrecht aufgegangen wie ein Hefeteig. In den Modegeschäften fand sich keine passende Kleidung mehr zum anziehen und so lief der als „Hefe-Heinz“ verspottete Junge nur noch in einer aus einer Gardine gefertigten Badehose durch die Stadt.
Genau wie sein Comicheld Obelix, der als Kind in einen Zaubertrank gefallen war und fortan bärenstarke Kräfte besaß, hatte der gute Heinz aufgrund seines Hefe-Konsums nun wohlgeformte, übermenschlich große Muskelpakete am ganzen Körper, die auch ihm zu einer gewissen Stärke verhalfen.
Doch aufgrund dieser Tatsache wurde er in seiner Heimat mehr verachtet als geliebt und so wanderte er eines Tages nach Amerika aus. Dort war es warm und so fiel niemandem der große Mann in Badehose auf, der am Strand von Malibu einer unter Vielen war. Sogleich fühlte er sich heimisch, schloß Freundschaft mit dem chilenischen Eisverkäufer Eduardo, dessen Frau Rosita in einer Textilfabrik arbeitete.

hefeheinz mit eduardo
Chilenischer Eisverkäufer Eduardo (links) und Hefe-Heinz aus Gosslar mit Gardinen-Badehose, am Strand von Malibu

Eines Abends wurde der leicht bekleidete Hefe-Heinz von Eduardos Familie zu einem Grillfest eingeladen. Gemütlich saß man auf der Veranda einer kleinen Holzhütte und sah in die untergehende Sonne. Die Flagge Amerikas wehte stolz im Sommerwind und eine frische Brise entfachte die Glut im Grill aufs Neue. Und während Eduardo das Fleisch saftig briet, betrachtete seine Gattin Rosita die wild flatternde Flagge, besah sich den immer noch in Badehosen bekleideten Heinz, bis sie plötzlich vor Freude in die Hände klatschte und einen kurzen Tango tanzte. Anschließend riss sie ohne zu zögern das wehende Textil vom Fahnenmast, hob es prüfend vor Heinzens Statur und nickte.
Eine grandiose Idee war geboren. Im Nu nähte die geschickte Rosita aus der Fahne ein passendes Oberteil für den fröstelnden Heinz. Ja, der Stoff reichte sogar aus für die Anfertigung eines Hutes. Vom Glück überwältigt streifte sich Hefe-Heinz die Stars and Stripes über und genoss ein völlig neues Lebensgefühl. Seit dieser Zeit trägt er nur noch Landeskleidung, handgefertigt von Rosita.

hefeheinz mit amerika-fashion
Hefe-Heinz in seinem neuen Flaggen-Outfit, genäht von Eisverkäufergattin Rosita

Und dieses modische Outfit gab Hefe-Heinz den Mut, sein Heimatstädtchen Gosslar erneut aufzusuchen. Dort wurde er jedoch nicht wieder erkannt und für einen amerikanischen Wahlkampfhelfer gehalten. Enttäuscht packte Heinz seine sieben Sachen und hat sich deshalb seit einigen Wochen unterhalb des Weinberges einquartiert, um sich an der frischen Almluft zu erholen.
In unserem Kuhbauern Alfred Kuttler hat er sogleich einen neuen Freund gefunden, der ihm aus einem hochwertigen Rinderfell ein Ochsengewand genäht hat. Mit diesem tierischen Muster bekleidet steht Hefe-Heinz nun auf der Weide und unterhält sich mit den Wiederkäuern.
Und die Moral von der Geschicht: esse zu viel Hefe nicht. Sie verdirbt den Körper dir im Nu, und du wirst zu einer Kuh!

 

Wenn Sie nun, liebe Leserinnen und Leser, Interesse an einer Brieffreundschaft haben oder einen Freund suchen, der Ihnen die Bierkästen mit dem kleinen Finger in die 10te Etage trägt, melden Sie sich bitte auf der Alm. Mit oder ohne Passfoto und einer kurzen Auflistung Ihrer Hobbies. Hefe-Heinz sucht Anschluss und freut sich über jeden neuen Kontakt! 🙂

 

 

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Geschichten aus dem Weinberg – Das Unglück mit den Glückskeksen

Wie der aufmerksame Leser weiß, ging es hier auf der Alm vor einiger Zeit heiß her, als sich Gastwirt Karl-Georg Zollinger und die ehemalige Weinkönigin Susie Lamprecht im Wahlkampf um einen Weinberg stritten, bis sie über Umwege vor dem Traualtar landeten und nun in trauter Eintracht ein Familienunternehmen, bestehend aus einer kleinen Gastwirtschaft inklusive Übernachtungsmöglichkeit und eine Winzergenossenschaft führen. Das Geschäft floriert. Gäste aus aller Welt besuchen das idyllische Fleckchen Erde, genießen neben den kulinarischen Köstlichkeiten und der Natur die Attraktivität der Wirtin und folgen interessiert den Weinführungen, die vom charismatischen Herrn Zollinger geleitet werden. Ruhe und Frieden am Weinberg, so könnte man meinen. Doch der Schein trügt. Denn viele der männlichen Touristen kommen überwiegend auf die Alm, um die aufreizende Frau Lamprecht-Zollinger aus dem Augenwinkel zu betrachten. Dies führt nicht selten zu Auseinandersetzungen mit dem eifersüchtigen Karl-Georg, der bereits den ein oder anderen Nebenbuhler kopfüber ins Weinfass getunkt und beinahe ertränkt hätte.
Doch auch Herr Zollinger wird von einer Schar kichernder Besucherinnen heimlich angehimmelt und in einem unbeobachteten Moment per Schnappschuss auf dem Handy verewigt. Und so schneite kürzlich die adrette Dolores Bloodpenny aus Wien auf die Alm und brachte allerhand Chaos in das bereits vorhandene Tohuwabohu.
Die 19-jährige Österreicherin hatte vor 9 Tagen ihre Eltern verloren. Der Vater war Besitzer einer florierenden Glückskeksfabrik und leitete gemeinsam mit seiner Frau den Millionenbetrieb. Doch vor 9 Tagen hatte das Glückskeksfabrikantenehepaar Pech und geriet bei einer Werksbesichtigung zwischen die Zahnräder einer großen Glückskeksmaschine. Es floss jede Menge Blut und der Name Bloodpenny bekam eine gänzlich neue Bedeutung.
So wurde die naive und verhätschelte Dolores ins kalte Wasser geworfen und war von heute auf morgen Millionenerbin eines Glückskeksunternehmens.
Doch von Finanzen und Geschäftsführung verstand die Liebhaberin exklusiver Seidenröcke natürlich nichts und stand ratlos und mit Tränen übergossen vor dem Grab ihrer Eltern. Beiläufig knackte sie einen Glückskeks und entnahm die schlüssige Botschaft „Ein Mann wird in dein Leben treten.“
Und da kam der schniefenden Dolores eine Idee. Vom Geschäftsleben hatte sie zwar keine Ahnung, aber wie man einen Mann um die Finger wickeln konnte, war ihr hinreichend bekannt. Und so steuerte sie gezielt das Wirtshaus auf der Alm an, um dem guten Karl-Georg schöne Augen zu machen. Sie hatte den hinterhältigen Plan, den Winzer für sich zu gewinnen, so dass er seine Susie verlassen und die große Glückskeksfabrik am Rande Wiens leiten konnte. Sie suchte eine geeignete Führungspersönlichkeit und wurde durch die Wahlkampfquerelen in der Presse auf Herrn Zollinger aufmerksam.
Und nun haben wir den Salat. Die dreiste Dolores Bloodpenny folgte Herrn Zollinger auf Schritt und Tritt und klagte ihm eines Abends an der Pferdekoppel ihr Leid. Die Tränen flossen. Karl-Georg, hinter vorgehaltener Hand als „Karl-Casanova“ bekannt, hatte sogleich Mitleid mit der jungen Wienerin und schloss sie tröstend in seine Arme.

John Wayne - Angel and the Badman - 1947 - & Gail Russell
Dolores Bloodpenny klagt Karl-Georg Zollinger an der Pferdekoppel ihr Leid …

Ein fataler Fehler. Nun lies Dolores nicht mehr locker und umgarnte den Gastwirt zusehend. Tägliche Spaziergänge und ausgiebige Picknickstunden folgten.

John_Wayne - angel and the badman - & Gail Russell
Karl-Georg Zollinger und Dolores Bloodpenny bei einem vergnügten Plausch im heimeligen Haselnusshain …

Die werte Frau Lamprecht-Zollinger hat von diesen Heimlichkeiten noch nichts bemerkt. Doch lange kann es nicht mehr dauern. Und wir sind hier nun alle ratlos, wie sich die Katastrophe noch abwenden lässt. Ein Seitensprung würde sicherlich keiner dem anderen verzeihen. Auch mit einer schlichten Beichte scheinen die Wogen nicht mehr geglättet werden zu können. Die Harmonie ist mächtig ins Wanken geraten. Der Almfrieden droht zu kippen.
Wir erbitten dringendst Ihre Vorschläge, geneigte Leserschaft. Wie soll es nur mit der Glückskeksfabrikerbin Dolores Bloodpenny aus Wien und dem Ehepaar Lamprecht-Zollinger weitergehen? Unser Sorgenlösungungstelefon ist rund um die Uhr erreichbar. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit 🙂

 

 

 

©mauswohn

Aufruhr im Wahlkampf

Nachdem hier kürzlich bei den Streitereien mit Herrn Zollinger und Frau Lamprecht um die Nutzung eines Weinberges zahlreiche Vorschläge zur Weiterführung des Projektes eingegangen sind, hätten wir gerne die großartigen Ideen der Leserschaft umgesetzt. Aber wie so oft, kommt es meistens anders als man denkt …

Die heiße Phase des Wahlkampfes zum hart umstrittenen Thema „Sinnvolle Weinanbaugebietsnutzung“ hat begonnen.
Gastwirt Karl-Georg Zollinger und Weinkönigin Susie Lamprecht liefern sich ein erbittertes Gefecht und buhlen um die Gunst der Wählerschaft. Die werte Frau Lamprecht setzt gekonnt ihre weiblichen Reize ein, während Herr Zollinger mit dem Argument „Tourismusboom“ punkten kann.
So wartet hier jeder gespannt, wer wohl das Rennen machen wird, als plötzlich ein dritter Kanditat in den Ring steigt und seinen Nutzungsplan für das Weinanbaugebiet vorstellt.
Friedhelm-Johnny von Merzbach heißt der Überraschungsmann, der kein geringerer ist als der Käufer der sündhaft teuren Leopardingerweinflasche. Ein wenig irritiert wird der Neuankömmling, oder wie wir Schwaben sagen „dr Reigschmeggte“, begutachtet und misstrauisch keine Sekunde aus den Augen gelassen. Denn der arrogante Milliardär und Hobby-Punktesammler, der mit seinen Paypal-Sammelpunkten ein Vermögen verdiente, will nun die Sache auf den Punkt bringen und an dem Weinhang eine große Fabrik aus dem Boden stampfen, in der mit hochentwickelten Maschinen der unerschwinglich teure Leopardingerwein produziert und an exklusive Gäste aus aller Welt verkauft werden soll.
Verdutzte Gesichter aller Orten. Damit hatte niemand gerechnet. War man doch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Zollinger und Lamprecht ausgegangen.
Sogleich verweigerte der sonst so gastfreundliche Herr Zollinger dem Milliardär eine Unterkunft in seiner Pension. Auch die übrigen Almbewohner spürten, dass der Neuankömmling nur den harmonischen Dorffrieden stören wollte und verriegelten ihre Häuser. Doch mit allen Wassern gewaschen packte der arrogante Herr von Merzbach sein hochmodernes Designercampingzelt und übernachtete auf einem Acker im Tal. Dort öffnete er siegessicher die sagenumwobene Flasche Leopardinger, die er bisher sorgsam an einem geheimen Ort verwahrt hatte. Langsam gluckerte der teure Tropfen in einen schweren Humpen, als unvermutet ein Brüllen das Zelt erfüllte. Und wie aus dem Nichts entfleuchte der Geist der Leopardin Erna aus der Flasche, wirbelte behende durch die Lüfte, fletschte die Zähne … und ein markerschütternder Schrei hallte durch die Nacht.
Herr Zollinger sattelte ohne zu zögern sein eurasisches Känguru-Pferd und ritt dem lärmenden Gast entgegen. Doch als er das Zelt erreichte, bot sich ihm ein Anblick des Grauens. Der gefräßige Geist Ernas hatte nur noch ein fein säuberlich abgenagtes Skelett des Milliardärs übrig gelassen.

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Karl-Georg Zollinger kniet neben den Überresten des abgenagten Milliardärs Merzbach.

Die Kunde dieses unglaublichen Ereignisses machte sogleich die Runde im Dorf, das mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Das Entsetzen war groß, die Dorfbewohner realisierten, dass sie doch ein wenig zu herzlos gehandelt hatten und organisierten eine wunderschöne Trauerfeier, gesponsert von Paypal.
Auch der werte Herr Zollinger und die gute Frau Lamprecht kamen zur Besinnung und trafen sich zu einem aussöhnenden Gespräch bei einer Flasche Rotwein. Und das frisch gekelterte Getränk schmeckte gar so süß, dass sich die zwei ehemaligen Kontrahenten ineinander verliebten und sich bei Sonnenuntergang an den Ausläufern des Weinberges in den Armen lagen.
Romantischer und friedvoller hätte diese Geschichte wohl kaum enden können, bewirtschaftet die Familie Zollinger-Lamprecht seit geraumer Zeit doch nun den Weinberg gemeinsam, dessen guter Jahrgang Touristen aus aller Welt anzieht, regelmäßig eine neue Weinkönigin gekürt wird und sogar die leer getrunkene Flasche Leopardinger einen Ehrenplatz im ortsansässigen Museum für Heimatkunde erhalten hat. Eine Punktlandung könnte man sagen.

Punkt!

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Susie Lamprecht-Zollinger und Karl-Georg Zollinger nach überstandenem Wahlkampf, am Weinberg liegend (Schnappschuss aus dem Familienalbum)

 

Und wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihre Urlaubstage gerne in heimeliger Umgebung verbringen, kulinarische Köstlichkeiten aus biologischem Anbau nicht verschmähen und das Ehepaar Lamprecht-Zollinger persönlich kennen lernen möchten, besuchen Sie uns auf der Alm! An illustren Gästen aus aller Welt wird es nicht fehlen. Durst und Langeweile werden hier mit Sicherheit nicht aufkommen. Wir wünschen einen traumhaften Sommer! 🙂

©mauswohn